[wilhelmtux-discussion] ... (+ Open Education Server)

Theo Schmidt sus2006 at bluewin.ch
Sun Apr 25 10:19:57 CEST 2021


Gestern war Open Education Day, dieses Mal online via 
https://www.ch-open.ch/bigbluebutton/ .  Das machte die Teilnahme 
besonders einfach und effizient und diskutieren konnte man auch, 
entweder richtig in den kleinen Workshops, oder stark eingeschränkt aber 
immerhin im Plenum (> 90 Teilnehmende) mit der Chat-Funktion. Das Team 
um Matthias Stürmer organisierte den Anlass meiner Meinung nach 
bravourös. Von WT kannte ich auch Robert W. und Vizvanath R., früher 
eine treibende Kraft im WT-Vorstand und damals IT-Lehrer in Winterthur.

Hier geht es mir um base4kids2 und dem verwandten Thema 
https://www.openeduserver.ch icl. Nextcloud und Collabora Office. Den 
Begriff base4kids2 hörte ich nirgends ausser einmal überholterweise noch 
als Erfolg. Stattdessen bekam das verwandte kleinere, erfolgreichere 
Projekt der Schulen Saanen 
(https://textfeld.ch/text/die-schule-traegt-bei-cloud-loesungen-eine-besondere-verantwortung 
) gleich die erste deutschsprachige Keynote-Präsentation (es gab auch 
einen parallelen französisch- bzw. englischsprachigenen Track):
https://openeducationday.ch/programm-2021/offener-schulserver-und-libre-office-ein-erfahrungsbericht/

Hier referierte vor allem Marcus Scherer, Lehrer und Inititiant bei den 
Schulen Saanen. Seine Folien sollen noch aufgeschaltet werden. Sein 
lebendiger und aufschlussreicher Vortrag verdeutlichte vieles, was es 
für ein solches Projekt braucht, z.B. viel Arbeit, Motivation, Willen, 
Geschick und Glück. (Sicher waren alle diese beim grösseren Projekt der 
Stadt Bern nicht alle vorhanden.)

Seine starke Motivation stellte er als IT-politische vor, genau wie bei 
Wilhem Tux. Der Lehrplan 21 verlange, dass die SchülerInnen auch etwas 
über Computer selber lernen, und genau das machten die Schulen zu wenig, 
besonders mit den Produkten der Konzerne: die SchülerInnen bekommen 
stattdessen eine Art Produktschulung und eine Konditionierung für's 
Leben. (Das könnte man über FOSS-Produkte zwar auch sagen, aber es ist 
nicht dasselbe Übel.) Z.B. waren die Schulen schon mit einem 
Google-Edu-System und 150 Microsoft Office Lizenzen ausgerüstet, was für 
ihn auf Dauer unerträglich war. Seinen einzigen Kollegen konnte er 
jedoch nicht für ein Umdenken überzeugen, aber Dank den Corona-Umständen 
offenbar weitere Entscheidungsträger der Schule.

Somit wurde wärend der Sommerpause 2020 vieles umgestellt, v.a. die 
Nextcloud des OpenEduServers übernommen und überall Libre Office statt 
MS Office installiert und Collabora Office Online zusätzlich, auch für 
die Kollaborationsfunktionen, also gleichzeitiges Bearbeiten eines 
Dokuments in der Gruppe. (Mein Frage: weshalb braucht es in der Schule 
überhaupt unbedingt so starkes "Geschütz": reicht ein 
Markdown/HTML-Editor oder ein Etherpad nicht für die meisten Dinge?)

Die Nextcloud fand offenbar gute Akzeptanz. LibreOffice weitgehende 
Akzeptanz, aber nicht bei einer Minderheit von eingefleischten MS-Office 
Usern, die mit grosser Vehemenz ihre jahrzehntelange Expertise 
verteidigten und nicht preisgeben wollten. Der harte Kern von diesen sei 
auch mit den besten Argumenten und grösster Zuwendung nicht erreichbar. 
Genau das passierte ja auch im Kanton Solothurn und wohl auch in der 
Stadt Bern, zusätzlich zu den grundlegenden Schwierigkeiten. Es ist eine 
simple Glockenkurve (Gaussche Verteilung): mit den Extremen muss man 
leben, aber diese haben viel Macht, z.B. bei Medien. (Auch wir "am 
anderen Ende" haben theoretisch viel Macht.).


Auch hier erwähnenswert die diebezügliche Website der Zürcher 
Lokalgruppe der FSFE: https://lernenwiedieprofis.ch/

Auch erkennbar der unterschiedliche Ansatz zwischen der FSFE und manchen 
Edu-Anbietern, auch FOSSigen. Die einen propagieren grösstmögliche 
Freiheit und Vielfalt, zwangsläufig auch mit Konflikten und Problemen, 
und die andern eine perfekte Umgebung, wo die Lehrpersonen absolute 
Kontrolle haben, z.B. zeigte https://www.education-cloud.eu/?p=3973 ein 
Sytem, wo beim Gerät einer SchülerIn nur die Anwendungen nutzbar seien, 
die für diese Unterrichtsstunde benötigt würden. Segen oder Fluch?

LG, Theo



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