[wilhelmtux-discussion] Jahresrückblick der FSFE - Ideen für Wilhelm Tux

Markus Wernig markus.wernig at wilhelmtux.ch
Tue Nov 10 19:02:00 CET 2020


Hallo allerseits

Viele von euch werden den beiliegenden Jahresrückblick der FSFE ja auch
erhalten haben, ich leite ihn hier mal trotzdem weiter.

Grund ist, dass die Pläne, die Matthias Kirschner in der Mail vorstellt,
mir sehr gut gefallen, und ich meine, dass hier Potential für
Aktivitäten von Wilhelm Tux in der Schweiz liegt.

Konkret: Die FSFE will das Momentum für Freie/Open Source Software, das
sich aus der öffentlichen Diskussion über die verschiedenen Corona-Apps
in Europa ergeben hat, nutzen, um das Modell und die Idee "Public money,
public code" vor allem bei der öffentlichen Hand weiterzubringen. Ich
sehe einige Wege, wie wir in der Schweiz da in die gleiche Richtung
aktiv werden können, wenn wir gezielt und zeitnah agieren.

Habe zwar noch keinen konkreten Plan (Mail auch erst heute erhalten),
aber doch ein gutes Bauchgefühl.

Falls ihr da auch eine Meinung dazu habt, freue ich mich über Rückmeldungen.

Bis demnächst

Markus


-------- Forwarded Message --------
Subject: Das konnten wir nur dank Deiner Hilfe erreichen - Unser
Jahresrückblick
Date: Tue, 10 Nov 2020 09:44:53 +0100
From: Matthias Kirschner <contact at fsfe.org>
To: Markus Wernig

Hallo Markus Wernig,


gute Nachrichten sind im Jahr 2020 keine Selbstverständlichkeit. Deshalb
möchten wir dir berichten, welche positiven Veränderungen es in den
letzten Monaten in Sachen Freie Software gab. Tatsächlich hat sich sehr
viel bewegt. Wie umtriebig unsere Bewegung war, kannst Du jetzt im
Jahresbericht der Free Software Foundation Europe (FSFE) nachlesen.

Jetzt den Jahresbericht 2020 lesen:
https://fsfe.org/news/2020/news-20201110-01.html

Zunächst das wichtigste: Viele EU-Mitgliedsstaaten haben bei der
Entwicklung von Contract Tracing Apps auf Freie Software gesetzt. Was
zunächst wie ein Kampf gegen Windmühlen schien, wurde zu einer
Erfolgsgeschichte. Auch die FSFE hat ihre Kontakte genutzt, um
klarzumachen: "Ohne Freie Software wird es nicht gehen!" Nicht nur die
EU, sondern auch die WHO sind schließlich den Argumenten der
Freien-Software-Gemeinschaft gefolgt und haben entsprechende
Empfehlungen abgegeben. Mit Unterstützung der EU-Kommission wurde eine
Plattform ins Leben gerufen, um Interoperabilität und Code-Sharing zu
ermöglichen und zu fördern. Dank der Debatte um die Tracing Apps war
Freie Software plötzlich Thema in großen Medien. Wir wollen, dass durch
diese Debatte ein langfristiger Kurswechsel eingeleitet wird. Das kann
gelingen, wenn wir jetzt dran bleiben!
Die Einsicht, dass Transparenz Vertrauen in Software schafft, setzt sich
nicht nur in immer mehr Behörden, sondern auch in der Politik durch.
Bereits Ende 2019 verabschiedete Europas größte konservative Partei, die
deutsche CDU, einen erfreulichen Parteitagsbeschluss. In den
Niederlanden sollen Freie Softwarelizenzen nun zum Standard werden.
Städte wie München und Hamburg versprechen, in Zukunft stärker auf Freie
Software zu setzen. Die spanische Gemeinde Benigànim schloss sich dem
Appell der FSFE-Kampagne "Public Money? Public Code!" an: Freie Software
soll zum Standard bei neuen Softwareprojekten der öffentlichen Hand
werden. Insgesamt haben mittlerweile fast 30.000 Menschen und beinahe
200 Organisationen den Appell unterzeichnet. Zwar fiel unsere für Mai
2020 geplante Konferenz zum Thema Digitale Souveränität und Freie
Software wegen Corona aus. Unsere Bewegung hatte trotzdem alle Hände
voll zu tun. Denn im Zuge der schnellen Umstellung auf Online-Betrieb in
Institutionen, Unternehmen und Behörden drohten neue Abhängigkeiten
zementiert zu werden. Die FSFE reagierte mit der Veröffentlichung eines
Überblicks von Freier Software für Remote-Arbeit.
Dass sich ein langer Atem und die Fähigkeit schnell zu reagieren
auszahlen, zeigte sich auch an anderer Stelle. Seit 2013 setzt sich die
FSFE für eine umfassende Routerfreiheit ein. Es geht um das Recht, den
eigenen Router frei wählen zu können, ohne dass der Internetanbieter
einen dazu zwingen kann, ein bestimmtes Gerät zu benutzen. 2020 beriet
das Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische
Kommunikation (BEREC) über mögliche neue Regeln. Die Routerfreiheit war
in Gefahr. Unsere schnelle Intervention hat bewirkt, dass einige
problematische Klauseln gestrichen wurden. Damit ist das Thema aber
leider noch nicht vom Tisch. Nach wie vor gibt es Lücken, die es
erlauben, einen Routerzwang durch die Hintertür auf Länderebene
hineinzumogeln. Wir bleiben dran!

Für das nächste Jahr haben wir uns viel vorgenommen:
* Die REUSE-Kampagne der FSFE hilft Projekten, sich im Dschungel der
  Software-Lizenzen zurechtzufinden und Code-Sharing praktisch
  umzusetzen. Dabei setzen wir auch auf die Weiterentwicklung
  maschinenlesbarer Lizenzangaben. Es macht uns wahnsinnig stolz, dass
  mit KDE eines der größten und ältesten Projekte aus unserer
  Gemeinschaft die REUSE Empfehlungen übernommen hat. Bisher konnten
  rund 150 Projekte von REUSE profitieren. Diese praktische Hilfe werden
  wir auch 2021 weiter ausbauen.

* Mit der Allianz "Ein Ort für öffentlichen Code" werden wir uns für die
  gemeinschaftliche Entwicklung von Freier Software für die Öffentliche
  Verwaltungen in Deutschland und ganz Europa einsetzen. Ein solches
  Projekt wäre ein echter Meilenstein für den Einsatz Freier Software in
  der Praxis.
* Ob, und wenn ja wie Software in der EU reguliert wird, entscheidet
  sich oft in Brüssel. 2020 haben wir bei zahlreichen Anhörungen und
  Stellungnahmen die Interessen unserer Bewegung vertreten. Bei
  wichtigen Konsultationen zu Kartell- und Wettbewerbsangelegenheiten
  konnten wir positiv auf die EU-Kommission einwirken. Über die Zukunft
  des Software- und Patentrechts wird in Brüssel entschieden. Für uns
  ist daher klar: Wir werden auch im nächsten Jahr Kapazitäten
  bereitstellen, um weiterhin schnell und effektiv intervenieren zu
  können. Denn unsere Bewegung braucht ein Frühwarnsystem in Brüssel.

Hier den kompletten Jahresbericht 2020 lesen:
https://fsfe.org/news/2020/news-20201110-01.html

2021 steht einiges auf dem Spiel. Infolge der Pandemie werden viele
EU-Mitgliedsstaaten neue Projekte zur Digitalisierung des öffentlichen
Sektors anstoßen. Es wird extrem wichtig, in den nächsten Monaten ganz
genau hinzuschauen, damit Freie Software dabei nicht unter die Räder
kommt. Bei der FSFE stellen wir uns auf Debatten mit harten Bandagen
ein. Schließlich geht es auch um öffentliche Aufträge in Millionenhöhe
und so manchem Software-Konzern ist unsere Arbeit ein Dorn im Auge. Alle
Erfolge, die wir bisher erzielen konnten, verdanken wir der
Unterstützung unserer großartigen Gemeinschaft. Bitte hilf uns mit einer
Spende, damit wir auch für die anstehenden Projekte gut gerüstet sind.
Bereits ein kleiner Betrag hilft uns sehr.
Unterstütze die FSFE mit einer Spende:
https://my.fsfe.org/payonline/FC10027537Y0

Keine Frage: Für 2021 haben wir uns viel vorgenommen. Aber wir sind
überzeugt, dass es wichtig ist, diese Auseinandersetzungen genau jetzt
zu führen.  Schließlich geht es um nichts Geringeres, als die Zukunft
der digitalen Infrastruktur Europas. Daher: Vielen Dank, dass Du ein
Teil dieser Gemeinschaft bist, die sich für einen nachhaltigen und
fairen digitalen Wandel einsetzt.
Herzliche Grüße

Matthias Kirschner,
President of the Free Software Foundation Europe

PS: Wusstest Du schon, dass die FSFE in Deutschland, der Schweiz und den
Niederlanden als gemeinnütziger Verein anerkannt ist? Alle Spenden
können von der Steuer abgesetzt werden. Als Mitglied der Initiative
Transparente Zivilgesellschaft veröffentlicht die FSFE regelmäßig
Informationen über die Verwendung der uns anvertrauten Mittel. Wir
würden uns sehr freuen, wenn Du unsere Arbeit mit einer Spende
unterstützt: https://my.fsfe.org/payonline/FC10027537Y0



-- 
Markus Wernig
Präsident Wilhelm Tux
PGP: D9203D2A4AD9FC3333DEEF9DF7ACC6208E82E4DC
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Wilhelm Tux   -   Kampagne für Freie Software
            https://wilhelmtux.ch
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