[wilhelmtux-discussion] Schulcomputer kuenftig mit Windows- statt Macintosh-Systemen in Baselland?

Manfred Morgner manfred.morgner at gmx.net
Tue Mar 3 08:45:54 CET 2009


> ...
>> Mein Rückschluss aus Gesprächen mit Lehrern ist die, dass sie sich  
>> vor
>> der Vielfalt von FOSS fürchten.
>
> Das ist glaube ich "unserer" Pferdefuss. Ich habe langsam selber  
> Angst vor
> dieser Vielfalt! Auch Interessierte kommen kaum nach und die armen  
> Lehrer werden
> vollends überfordert. ...



Vielfalt als Problem. Das muss man eimal einem Bewohner des  
sozialistischen Wirtschaftsraumes erzählen! Aha - den gibt's ja seit  
20 Jahren nicht mehr.

Wie kann die Möglichkeit zu wählen ein Problem sein? Das ist es  
tatsächlich! Ich empfehle dazu den hochspannenden Bericht 'The future  
of food' http://www.thefutureoffood.com/

Scheinbar will das Volk erst die Wahl, wenn es sie nicht mehr hat. Der  
Devise folgenden: 'Wer sich nicht bewegt, der spürt auch seine Fesseln  
nicht.' Ich komme aus der DDR. Dort wollten damals alle die Wahl - bis  
sie sie hatte...

Meine ganz persönliche Meinung ist: Die Unfähigkeit und Unwilligkeit  
der Menschen, zu wählen, ist einerseits eine Frage angeborenen  
Sozialverhaltens, andererseits aber auch das Ergebnis der Erziehung -  
auch der Erziehung in der Schule. Lehrer geben, was das Wählen angeht,  
kein gutes Beispiel (nicht nur was Windows angeht). Das liegt im Wesen  
der Schule. Der Schüler kann nämlich nicht einmal seine Schule wählen.  
Aber damit geht die Hilflosigkeit der Schüler erst los, eine  
jahrelange, absolute Hilflosigkeit, in deren Ergebnis Ersatzverhalten,  
wie z.B. Markenbewusstsein und selbst entwickelte Intoleranz (was eine  
andere Ausprägung des Markenbewusstseins ist) entsteht.

Ich bin froh, das ich noch wählen kann! Auch wenn das hin und wieder  
mit dem Risiko verbunden ist, etwas zu wählen, dass nicht ganz so toll  
ist, ist mir meine Wahl immer noch lieber als die Alternative - das  
Diktat einer Monokultur.

Wir wissen ja, dass Denken Arbeit ist, nach Henry Ford sogar  
Schwerstarbeit, wie auch Demokratie und Soziales Verhalten,  
Rechtstreue und gesellschaftliche Toleranz. Doch wenn diese Arbeit  
nicht geleistet wird, werden Microsoft, Monsanto und MacDonalds für  
uns Regeln, was wann auf welchen Tisch kommt. Und sie werde genau  
festlegen, was Wissenschaft ist und wer sich damit befassen darf. Dann  
ist wieder alles geregelt... Nach meiner Erfahrung ist das dann der  
von vielen Lehrern ersehnte Idealzustand der Bildungsindustrie.

  - Eltern wollen ihre Ruhe
  - Lehrer wollen Ihren Stoff durchziehen
  - Die Industrie will ihre Produkte verkaufen

Auf der Strecke bleibt das, was hinterher alles bezahlen soll - das  
Kind/der Schüler/der Wähler/der Kunde/der Mitarbeiter/der Steuerzahler/ 
der Rentenzahler.

Die Fähigkeit zu wählen ist darum ebenso wichtig, wie die Fähigkeit,  
sich die Hände zu waschen. Beides macht nicht immer Spass, aber wenn  
man damit aufhört, kommt es mittelfristig nicht gut. Wir alle haben  
(noch) die Wahl!

Viele Grüsse,
Manfred.




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