[wilhelmtux-discussion] Umlaute [war: Re: offene standards]

Nicolas Iselin nicolas.wilhelmtux at iselin.ch
Fre Jan 17 13:46:27 CET 2003


Am Freitag, 17. Januar 2003 12.14 schrieben Sie:

> In
> Linux-Kreisen ist HTML-Email verpönt, weil in nicht-HTML Browsern
> kaum lesbar. 

Das ist IMHO nicht der Hauptgrund. Sondern die Sicherheitsprobleme
mit HTML:

. Privacy: Es ist mit eingebetteten 'Bildern', die auf externen
  Servern liegen, möglich zu überprüfen, wer wann von welcher
  IP-Adresse die Mail gelesen hat (sog. Web-Bugs)

. Systemstabilität: HTML kann aktiven Code transportieren, und
  wer möchte schon Code auf seiner Maschine ausführen, den 
  er per Mail zugeschickt kommt ? (Java-Script, Java, Active-X, ...)
  Die Mischung von Daten und Programmen ist IMHO _das_ 
  Security-Grundübel heutzutage.

. Signal/Noise Ratio, Bandbreitenverschwendung: Wer nette Grafik 
  macht, damit seine Mail gelesen wird, versucht in der Regel
  zu überdecken, das er nichts zu sagen hat. Im Zeitalter von
  ADSL scheint dieses Argument nicht mehr zu zählen, aber wer
  schon mal mit einem Handy über 9600 bps versucht hat, 'normale'
  Webseiten anzuschauen, weiss wovon ich rede. Und es wird immer
  irgendwelche neuen Geräte geben, die noch kleiner sind und 
  nur mit kleinen Datenraten funktionieren...

. [wer weiss noch mehr Gründe gegen HTML in Emails ?]

Natürlich gibt es Mailer, die eine eigene und möglichst 'dumme'
HTML-Engine verwenden. Aber die meisten Mailer übergeben das HTML
einem installierten Browser, der in der Regel alles darf. Auf 
Microsoft-System werden Mails in der sogenannten 'internen Zone'
ausgeführt, und diese ist in der Regel voll offen für alles.

> Ist es richtig, aus demselben Grund die Email-Kodierung
> von Sonderzeichen abzulehnen? Diese heisst bei mir MIME, obwohl MIME
> eigentlich für Datei-Formate zustaendig ist, und nicht nur für die
> Kodierung von Sonderzeichen in Email-Text. Ist es so, dass nicht
> jedes Mail-Programm diese MIME-Kodierung beherrscht, oder ist es
> einfach so, dass dieses bei vielen Leuten nicht eingeschaltet ist?
>
> Kleiner Test: wer kann diese Umlaute "äöüéàè" hier *nicht* lesen *und
> hat* MIME eingeschaltet?

Ich habe nichts besonderes eingestellt, sehe alle Zeichen und verwende 
KMail (allerdings ohne KDE, sondern nur mit fvwm2).

>
> At 18:11 Uhr +0100 16.1.2003, Dietrich Feist wrote:
> > > Ein deutsches OE auf einem deutschen Windows sendet ein "”" in einer

Hier sehe ich ein gepunktetes Quadrat in doppelten Anführungszeichen.

> >>
> >> HTML-Email als "”". Damit kann nat¸rlich niemand etwas anfangen. Ein
> >> englisches OE auf einem englischen Windows, sendet ein "”" als

Auch hier beide Male das Quadrat und ein umgekehrtes Fragezeichen für
das ü (ue).

> >> "ä", was HTML-Anzeigemodule richtig interpretieren k–nnen wenn
> >> sie den Zeichensatz richtig ausw”hlen und (Voraussetzung) ¸berhaupt
> >> ein geeigneter Zeichensatz verf¸gbar ist.

bei können und auswählen sehe ich wieder das Quadrat, bei überhaupt ein
auf dem Kopf stehendes Fragezeichen.

> >
> >Verstehe ich nicht. Wenn es in diesem Fall Probleme gibt, dann liegt das
> >ausschliesslich an fehlerhaft arbeitenden Applikationen.
>
> Ja, schon, aber welche sind die Fehlerhaften? Dein Mailer, mein
> Mailer, dein Betriebssystem, mein Betriebssystem, die Mailing-List
> Software, die Provider-Software?

Bei Informatik-Problemen weiss man in der Regel erst wenn es funktioniert
woran es gelegen hat ;-) Aber Mail war ja ursprünglich nur für die
sichtbare 7-bit Zeichen (32-127) definiert. Bei sendmail zB kann man 
8bit oder nicht-8bit konfigurieren, ich habe allerdings die Konsequenzen
dieser Einstellung noch nie genau analysiert... Allerdings sollte ja
ein MTA wie sendmail die Mails nicht wirklich lesen müssen, sondern nur
weiterleiten.

> Was ist nun die Standarddefinition für HTML 3 und 4: Kodierungen wie
> "ä" oder Unicode? 

Wie gesagt: Kein HTML in Emails !

>
> Ein "Standard" impliziert ein rigides System, welches von jemand
> bestimmt wird. Ein Standard funktioniert 100 prozentig nur wenn er
> "diktatorisch" oder "monopolistisch" durchgesetzt wird, ist also das
> Gegenteil von Freiheit.

Finde ich einen interessanten Gesichtspunkt. 

Nicolas