[wilhelmtux-discussion]Vorsätze für das neue Jahr?

Markus Jordi markus.jordi at timak.ch
Don Jan 2 12:48:52 CET 2003


Hallo Alex,
Hallo Dietrich

Danke, dass Du (Alex) dieses Thema aufgenommen hast (zum Jahresbeginn 
immer).

Grundsätzlich gebe ich Alex für die aufgelisteten Punkte recht. Auch die 
Ergänzungen von Dietrich kann ich unterstützen.

Ich bin der Meinung, dass wir vor allem 2 Punkte angehen müssen:
1.) Informationen/Diskussionen über die Mailinglisten
2.) Sozialer Kontakt

Zu Punkt 1 (Informationen/Diskussionen über die Mailinglisten)
Die Diskussionen schwellen an und ab je nach Thema. Manchmal hatte ich 
das Gefühl, dass sich die Diskussionen emotional aufgeschaukelt haben, 
bis Beleidigungen und unbelegte Anschuldigungen gefallen sind. Mir hat 
die Ruhe und Überlegtheit gefehlt, die zum eigentlichen Ziel führen. 
Deshalb sind wohl auch einige Diskussionen eher in der Admin- denn in 
der Discussion-Liste geführt worden. Weiter stellt sich das Problem, 
dass die Discussion-Liste voll öffentlich ist (was an und für sich nicht 
schlecht ist). Wo diskutiert man jedoch Strategien und Aktionen, die 
besser nicht von Anfang an publik sein sollten oder dürfen (letzteres 
vor allem im Kontakt mit anderen Organisationen/Behörden/Firmen)? Da ist 
mir bisher noch keine brauchbare Idee in den Sinn gekommen. Was ich mir 
vorstellen kann ist, dass die Discussion-Liste über eine ausgereifte 
Diskussion in der Admin-Liste informiert wird, so dass dort 
weiterdiskutiert werden kann.

Zu Punkt 2 (Sozialer Kontakt)
Dies ist von mir aus gesehen das wichtigste zu lösende Problem. Zum 
einen finde ich Treffen für die Diskussion von Themen viel effizienter 
werder die Diskussion in der Liste, denn wenn jemand zu einem Treffen 
kommt, dann hat er auch ein Intresse ein Ergebnis zu erreichen. Ein 
Treffen sollte auch regelmässig sein (z.B. jeder 1. Dienstag im Monat), 
so dass nicht immer Termine ausgehandelt werden müssen. Es stellt sich 
jedoch noch das geografische Problem. Wenn wir die Treffen immer am 
selben Ort haben, werden mit der Zeit nur die Leute kommen, die in der 
Nähe leben. Ich stelle mir das ganze so vor, dass wir in verschiedenen 
Regionen die Monatstreffs haben und z.B. quartalsweise ein nationales 
Treffen, welches immer an einem anderen Ort stattfindet. Für die Region 
Bern sehe ich eigentlich kein Problem, da hier genügend aktive Leute 
sind. Wie es jedoch in anderen Teilen der Schweiz (z.B. Zürich, 
Ostschweiz,...) aussieht kann ich nicht beurteilen. Es müsste sich für 
jede Region jemand finden lassen, der die Organisation übernehmen will. 
Die Regionen können ja nach Bedarf erweitert, umorganisiert und was auch 
immer werden.

Ich werde einmal eine Liste führen, wer in welcher Region an einem 
solchen Treffen Intresse hat. Meldet Euch!


Gruss
Markus



Alex Schroeder wrote:
> Das Jahr ist bald um, und vielleicht ist es an der Zeit, sich über
> Wilhelm Tux Gedanken zu machen -- Wo waren wir gut?  Wo waren wir
> schlecht?  Was gibt es zu verbessern?  Was soll die Strategie für das
> nächste Jahr sein?
> 
> Meine Sicht der Dinge:
> 
> Wo waren wir gut?
> 
> - Wir haben bei eCH mitgemacht, sowohl in den Fachgruppen, als auch
>   als offizielle Mitglieder.
> 
> - Wir haben auf den Webseiten der Administration Verbesserungen
>   erziehlt:  Das Microsoft Logo ist weg, es wurde diskutiert wieso es
>   überhaupt dazu kommen sollte, es gibt einen längeren Kommentar zu
>   "FOSS" und es gibt neben der MetaGroup Studie nun auch Links zu
>   anderen Diskussionen.
> 
> - Die Diskussionsliste ist ein angenehmer Platz, wo man immer wieder
>   auf interessante Artikel und Hinweise zum Thema findet.  Die
>   technische Infrastruktur -- die Mailingliste -- hat sich als sehr
>   angenehme Lösung für die Kommunikation erwiesen.  Es besteht kein
>   Bedarf an einem Diskussionsforum auf dem Website.
> 
> Wo waren wir schlecht?
> 
> - Wir haben auf dem politischen Parkett nichts erreicht.
> 
> - Falls es auf der Seite des Vorstandes (dh. der Adminliste) mehr
>   Aktivitäten gab, wurden diese kaum auf der allgemeinen
>   Diskussionsliste vorgestellt, so dass Wilhelm Tux auch bei den
>   Listen Mitgliedern lascher und schwächer wirkte als WT es vielleicht
>   wirklich war.  Um ein eigenes Beispiel zu geben: Ich habe WT an zwei
>   eCH Fachgruppen Sitzungen vertreten, und einen Bericht an die
>   Adminliste geschickt, aber an die Diskussionsliste habe ich nichts
>   geschickt.
> 
> - Wir haben es nicht geschafft, weitere Leute zu Aktivitäten zu
>   motivieren.  Motivation entsteht durch ernstnehmen der Vorschläge
>   und Ermunterung, etwas Unterstützung, und konstruktive Kritik.  Mein
>   Mail zum Thema JavaScript und Accessability, aber auch andere Themen
>   wie Palladium und Copyrights sind irgendwie versandet.  Zum einen
>   hatten wir Angst, uns zu verzetteln, und zum anderen hatten wir
>   Angst, am Ziel von WT vorbei zu schiessen.  Dabei brauchen wir davor
>   keine Angst zu haben, denn es wären ja *neue* Leute gewesen, die
>   dies gemacht hätten, und diese Leute hätten bei einem entsprechenden
>   Vorgehen (siehe vorheriger Punkt) einfach auf WT hinweisen können,
>   oder den Zusammenhang klar stellen können.
> 
> - Irgendwie ist der kreative Funken noch nicht übergesprungen.  Wir
>   haben es nicht geschafft, ein Klima zu schaffen, indem Ideen
>   gefördert werden und neue Ideen entstehen.  Vielleicht ist die
>   Diskussionsliste hierfür nicht spielerisch genug.  Wir konnten den
>   bestehenden Ärger und die Frustration einzelner nicht in Ideen und
>   Aktivitäten ummünzen.
> 
> Was gibt es zu verbessern?
> 
> - Das Vorgehen bei Aktivitäten ist schlecht -- wenn wir es offiziel
>   über den Verein machen, dauert es lange und wird gefiltert, wenn wir
>   es privat machen, gehen wir unter.  Meine eigene Mail zur MetaGroup
>   Studie ist da sicher ein Beispiel, es hat aber auch zumindest einen
>   oder zwei andere, ähnliche Fälle gegeben.  Wir müssen uns ein neues
>   Vorgehen überlegen, welches schneller, flexibler, und
>   unbürokratischer ist.
> 
> - Es gab administrative Engpässe beim Nachführen der Webseiten -- dem
>   könnten wir entgegenwirken, wenn wir die Hürde für die Mitarbeit
>   tiefer ansetzen würden.  Die tiefste Hürde würde ein Wiki bieten
>   (dann kann nämlich jeder die Seiten verändern).  Oder, falls es ein
>   Content Management System (CMS) gibt, dann sollten mehr Leute
>   mitarbeiten können, auch ohne spezielle Qualifikationen
>   (dh. Ansprüche auf Liefern von News, Übersetzen in andere
>   Landessprachen, Bedienen spezieller Software).  Wir brauchen schon
>   nur Leute, die Schreibfehler entfernen, neue Links auf interessante
>   Diskussionen in der Mailing Liste setzen, und so nach und nach
>   "aufgesogen" werden, bis sie mehr und mehr über Wilhelm Tux und
>   Freie bzw. Offene Software berichten.
> 
> - Das kreative Klima muss verbessert werden, damit mehr neue Ideen und
>   Vorschläge entstehen, damit es zu mehr Aktivitäten kommt, und mehr
>   Leute angezogen werden.  Die Stimmung auf der Diskussionsliste muss
>   verspielter und witziger werden, die persönlichen Bande zwischen den
>   Leuten müssen stärker werden.  Um wieder ein Beispiel von mir zu
>   nehmen:  Zwar habe ich Markus Wernig an der eCH Fachgruppen Sitzung
>   vertreten, kenne ihn aber nicht, auch den Rest der Vereinsmitglieder
>   nicht, habe keine Photos gesehen, und weiss auch sonst nichts über
>   diese Leute.  Auf dem IRC channel #emacs auf irc.freenode.org weiss
>   ich mehr über die Leute als über die Mitglieder von WT.  Das würde
>   auch zu einer intimeren, freundlicheren, wärmeren Atmosphäre
>   beitragen.
> 
> Strategie für das nächste Jahr:
> 
> Ich habe mit von dem Buch Networks and Netwars von John Arquila und
> David Ronfeldt von der RAND Corp., ISBN 0-8330-3030-2 inspirieren
> lassen.  Der Text ist online:
> 
> * http://www.rand.org/publications/MR/MR1382/
> 
> Insbesondere das Kapitel The Structure of Social Movements:
> Environmental Activism and Its Opponents von Luther P. Gerlach war
> ziemlich gut, da es die Vorteil eine richtigen Network Organisation
> hervorhob.  Da könnten wir einiges lernen, beispielsweise zum Vorgehen
> bei Aktivitäten.  Lieber kleine Untergruppen bilden, die relativ
> autonom agieren können (Mails schreiben, Artikel publizieren) ohne
> Rücksprache mit der Vereinsleitung.  Die Vereinsleitung kann dann
> immer noch "offizielle" Klarstellungen nachliefern.  Ansonsten wird
> sich eine gewisse Kälte und Lähmung ausbreiten.
> 
> * http://www.rand.org/publications/MR/MR1382/MR1382.ch9.pdf
> 
> Im Kapitel What Next for Networks and Netwars? von David Ronfeldt und
> John Arquila gibt es einen interessanten Abschnitt, What Makes a
> Network Effective, Besides Organisation?  Dort wird beschrieben, was
> alles zu einer Analyse gehört, und damit automatisch auch, wo wir uns
> verbessern könnten.
> 
> Hier sind die einzelnen Level der Analyse:
> 
> - Organization
> - Narrative
> - Doctrinal
> - Technological
> - Social
> 
> Bei unser Organisation sind wir ziemlich gut, was den rechtlichen
> Aspekt anbelangt: Wir sind ein ordentlicher Verein.  Ansonsten sind
> wir allerdings ziemlich inflexibel, wie oben schon beschrieben.
> 
> Bei der Rahmenerzählung sind wir auch ziemlich gut, denn wir wissen,
> was wir wollen, wie wir es erreichen wollen, wir haben ein ziemlich
> gutes Selbstbild.
> 
> Auf der Ebene der Doktrine sind wir wiederum schwächer, das habe ich
> oben mit "Unklarheit beim Vorgehen" umschrieben.  Leider habe ich
> nicht das Gefühl, dass jeder von uns auf sich alleine gestellt, immer
> das Richtige machen würde.  Wir würden auseinanderfallen und zum
> grossteil untergehen.  Vielleicht braucht es da klarere Ziele,
> Beispiele, Vorgehensweisen, etc.  Wir sollten das bisher erfahrene
> auch aufzeichnen und analysieren, damit wir daraus lernen und genau
> eine solche Wilhelm Tux "Kultur" herausschälen können.
> 
> Auf der technologischen Eben sind wir Top.  Die Mailingliste ist ok,
> der Website funktioniert.  Bei Problem hat sich bis jetzt immer ein
> Admin gemeldet und die Dinger behoben.
> 
> Und im Sozialen gibt es, wie oben gesagt, zumindest aus meiner Sicht
> grossen Nachholbedarf.  :)  Vielleicht würde ein IRC channel was
> nützen, vielleicht brauchen wir mehr Parties, vielleicht sollten wir
> bestehende Parties, Events oder Messen stärker nutzen, um uns auch
> persönlich kennen zu lernen -- ein Bierchen oder ein Kaffee in Ehren
> förder die Freundschaft, oder so.
> 
> 
> Und ansonsten wünsche ich allen einen guten Rutsch.  :)
> 
> Alex.
> 
> _______________________________________________
> wilhelmtux-discussion mailing list
> wilhelmtux-discussion at wilhelmtux.ch
> http://wilhelmtux.ch/mailman/listinfo/wilhelmtux-discussion
>