[wilhelmtux-discussion] heise online: Der Bundesdatenschutzbeauftragte holt den Pinguin ins Haus

Dietrich Feist dietrich.feist at wilhelmtux.ch
Mon Dez 16 16:19:03 CET 2002


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Hallo zusammen!

Während man in der Schweiz noch zaudert, macht
sich die Freie Software in Deutschland immer
mehr breit. Hier ist besonders interessant, dass
es in diesem Fall nicht einmal so sehr um die Kosten,
sondern um ganz konkrete Sicherheitsaspekte geht.

Viele Grüsse,

Dietrich
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Der Bundesdatenschutzbeauftragte holt den Pinguin ins Haus



 Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz[1], Joachim Jacob, will
Microsoft weit gehend aus den Büros seiner Mitarbeiter verbannen. In einem
ersten Schritt werden noch in diesem Jahr fast alle Server auf
Open-Source-Software umgestellt. Das betrifft zunächst die Rechner für den
Mailverkehr, fürs File-Management, für DHCP und DNS sowie alle weiteren
Intranet- und Internet-Services. Der Server für das
Dokumentenmanagementsystem wird voraussichtlich 2003 umgerüstet. Ebenfalls
im kommenden Jahr soll -- zunächst probeweise -- der Einsatz von Linux und
anderer quelloffener Software auf den rund 75 Desktops in Angriff genommen
werden. Wie die Pressesprecherin des Bundesdatenschutzbeauftragten, Ira von
Wahl, gegenüber heise online erklärte, sei ferner "aus Sicherheitsgründen"
die Verwendung von Open-Source-Software auf den Laptops der Behörde fest in
Planung.      

 Jacob sieht sein Haus mit dem Migrationsprojekt als Schrittmacher
innerhalb der öffentlichen Verwaltung. Nach der richtungsweisenden
Entscheidung[2] des Ältestenrats, Linux im Bundestag einzusetzen, sowie dem
langsam konkret nutzbaren Rahmenvertrag für Open-Source-Support[3] des
Bundesinnenministeriums mit IBM liebäugeln momentan zahlreiche Ämter --
nicht zuletzt aufgrund leerer Kassen -- mit freier Software. Vor allem vor
der Umrüstung der Clients schrecken viele aber noch zurück. Der
Bundesdatenschutzbeauftragte macht nun als einer der ersten im
Verwaltungsbereich Nägel mit Köpfen. Beim Desktop ruhen seine Hoffnungen
dabei vor allem auf der mit Mitteln des Bundesamts für Sicherheit in der
Informationstechnik (BSI) fortentwickelten Groupware-Lösung[4]. Sie soll
E-Mail, gruppen- und personenbezogene Terminkalender sowie die
Adressverwaltung integrieren und so den Büroalltag erleichtern.

 Den häufig gegen Linux ins Feld geführten erhöhten Schulungsaufwand
fürchtet Jacob nicht. Im Serverbereich seien bei Behörden und bei
Unternehmen ausreichend Kenntnisse zu Unix und Linux vorhanden. Die
Mitarbeiter des Bundesdatenschutzbeauftragten sollen zwar mit einer
umfangreichen Schulungsmaßnahme auf die neue Computerumgebung vorbereitet
werden. Allerdings wäre man laut von Wahl auch beim weiteren Einsatz
proprietärer Software nicht darum herumgekommen, da sich auch in diesem
Bereich die neuen Produkte von den heute eingesetzen, etwa fünf Jahre alten
Programmen unterscheiden würden.

 Als Vorteile der neuen Lösung nennt von Wahl neben Kostenersparnissen für
Lizenzen die hohe Verfügbarkeit von Linux, die leichtere Wartung im
Vergleich zu Windows-Rechnern sowie eine bessere Abwehr von Viren und
Hackerattacken. Insgesamt sieht der Bundesdatenschutzbeauftragte die im
Open-Source-Konzept beschriebene vollständige Offenlegung des Quelltextes
von Programmen für die IT-Sicherheit und den Datenschutz als "große
Chance", insbesondere um verdeckte Programmfunktionen im Rahmen einer
Analyse durch kompetente Entwickler besser erkennen zu können. "Für uns ist
von besonderer Bedeutung", erläutert von Wahl, "dass Open-Source-Produkte
im Sinne des Datenschutzes weiterentwickelt werden können, also etwa in
Richtung Datenvermeidung, Datensparsamkeit oder prüfbare Sicherheit." Eine
ausführliche Abwägung der Möglichkeiten und Gefahren bei der Verwendung
frei verfügbarer, quelloffener Software will Jacob in den kommenden Monaten
vorstellen.

 Mit dem Status von Open Source nach dem Platzen der Dot.com-Blase und dem
Abklingen des ersten Hypes beschäftigt sich c't in der aktuellen Ausgabe
26/2002[5] (seit dem heutigen Montag, den 16. Dezember, im Handel): 
Ausgesourct? - Freie und Open-Source-Software nach dem Hype, c't 26/2002,
S. 96  (Stefan Krempl) / (jk[6]/c't)

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 [5] http://www.heise.de/ct
 [6] mailto:jk at ct.heise.de

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