[wilhelmtux-discussion] Schulen ans Netz

Manfred Morgner manfred.morgner at gmx.net
Sam Feb 22 00:11:01 CET 2003


Hallo Tobias,

sorry, ich hab's nicht so mit den Namen, Alex kennt das auch schon :-(

Mit kritiklos meinte ich, dass Du es für meine Begriffe zu leicht nimmst
mit dem Umstand dass Schüler heute noch Windows lernen sollen. Das hat
aus meiner Sicht 2 Nachteile

1) Es ist für die Füchse, weil, wenn die aus der Lehre/Studium kommen
kräht kein Hahn in der Industrtie mehr nach Windows-Usern

2) Es manifestiert die Marktposition von Microsoft und stumpft die
Anwender gegen Vorgänge wie DMCA, TCPA, Securityviolation und andere
Probleme ab.

Beides halte ich für regelrecht gefährlich.

Wir sollten erkenne, dass Linux und freie Software in der Industrie heute
bereits Kettenreaktionsmässig umsich greift, Bereist heute gibt es zu
wenige Linux-Kenner um den Bedarf in der Industrie zu decken und die
Schüler, die in 10 Jahren auf den Arbeitsmakrt drängen sollen in der
Schule Windows lernen, statt sich auf's Berufsleben vorzubreiten?

Nachwievor stehe ich auf dem Standpunkt:

Das Beherrschen von Office-Applikationen ist eine sekundäre Frage,
wichtiger ist flexibilität und die Fähigkeit und Bereitschaft die
Computernutzung zielorientiert anzugehen. Also - was nützt es, 
MS-Word zu kennen wenn Du am Ende mit KR-Text arbeiten musst?

Schülern müssen heute lernen, flexibel und zielbewust zu sein und
dies möglichst selbständig. Anders können unsere Kinder den Lebens-
standard von heute nicht halten (könnte ich näher begründen).

Wenn also jemand gelernt hat, ein Dokument in etwa in die erfor-
derliche Form zu bringen oder befähigt ist, sich zügig und selbständig
in eine neue Softwareumgebung einzuarbeiten, wird er mit KR-Text
ohne grosse Investitionen auch klar kommen.

KR-Text kennst Du nicht? Ich auch nicht - afaik gibt es das noch
nicht, aber in 10 Jahren, wenn die Windows-Jünger glauben, sie
wüssten, wie Computer funktionieren und auf Arbeit plötzlich aus
allen Wolken fallen, wird es das vielleicht geben. Der dann den
Umgang mit freier Siftware gelernt hat, wird das Rennen gewinnen.

Und die Wirtschaft, die genügend solche Leute hat, wird die
heutigen Industriestaaten bügeln (platwalzen). Darauf müssen wir
nicht mehr lange warten, wenn wir so weiter machen. In den Ländern,
die sich keinen Microschrott leisten können, befindet man sich
bereits auf der Piste, während wir fetten, bequemen Europäer noch
überlegen, ob wir den Startblock besteigen müssen.

Ganz ehrlich -> das macht mir panische Angst!

Denn während mein Sohn in 10 Jahren einfach nach Korea, China,
Indien, Pakistan, Kasachstan, Kenia oder sonstwohin auswandern
kann, weil er in der neuen Welt der Zukunft mit seinem KnowHow
etwas zu bieten hat, werde ich hier sitzen und von meiner
Rente kaum genug zu essen kaufem können, weil der schweizer
Franken und der Euro nichtmehr das Papier wert sind, auf dass
sie gedruckt sind.

Mein Pech ist, dass ich erst in 25 Jahren in Rente gehe, wenn
ich in 10 Jahren verrentet und in 35 Jahren sterben würde. wäre es
nicht so schlimm, weil wir diese Zeit vielleicht gerade so über-
stehen werden. Aber in 25 Jahre in Rente (wenn es das dann noch gibt)
und in 50 Jahren in der Gruft - da werde ich vermutlich vorher
verhungert sein.

Das ist, was ich mit unkritisch meine. Vielleicht bin ich paranoid,
aber wenn der Ofen aus ist, ist er nur schwer wieder zu entfachen,
wenn man kein Holz mehr vor der Hütte hat. Jetzt werden die Weichen
gestellt und unsere zeigt derzeit noch auf das Abstellgleis. Wir
Europäer haben uns in den letzen 2000 Jahren durch Fleiss und 
Disziplin die Position erarbeitet, die wir jetzt haben - Wohlstand,
die Möglichkeit zu Ausbeutung der 3.Welt, hohe Produktivität usw.

Die Schüler und die Lehrer jetzt schlapp machen zu lassen, beendet
diese Ära. Die Geschichte zeigt, das dieses immer und immer wieder
die Ursache für den Untergang von Hochkulturen war. Und obwohl
diese Erkenntnisse heute frei verfügbar sind, man es weiss und
darüber spricht, gelingt es scheinbar nicht, die Bequemlichkeit
einer satten Gesellschaft zu durchbrechen und sie vor dem Hungertod
zu bewahren.


Ich meine ehrlich nur gut mit meiner Umwelt, denn ich bin von
ihr abhängig und ich möche es gut haben. Ich bin auch stinkend
faul und satt bin ich nochdazu (was man mir auch ansehen kann)
Das kann aber kein Grund sein, es sich gemütlich zu machen, im
Gegenteil.



Sorry, ich bin heute vielleicht wieder etwas aufgewühlt. Aber
wenn ich das, was ich hier geschrieben habe, nicht ständig vor
Augen hätte, würdet Ihr mich nicht kenne. Dann würde ich, wie
die meisten meiner Bekannten, in Ruhe alt werden und meine Zeit
mit Weltreisen und Fun-Urlaub verbringen, oder einfach nur zu 
Hause vor der Glotze sitzen und mir Actionfilme reinziehen.
Wenn es kracht, würde ich mir keinerlei Vorwüfe machen etwas
nicht getan zu haben.



Ich bitte nochmals um Entschuldigung.
Manfred.


PS: Wieso arbeiten die Schulen nicht mit OpenOffice.org, sondern
mit Staroffice?