[wilhelmtux-discussion] Schulen ans Netz

tobias.gasser at ebp-gasser.ch tobias.gasser at ebp-gasser.ch
Fre Feb 21 15:42:25 CET 2003


> Hallo Thomas,
kein treffer (grins)
 
> ich glaube, Du siehst das einerseits zu negativ, andererseits zu kritiklos.
negativ vielleicht. kritiklos glaube ich eigentlich nicht.

> Bitte entschuldige, wenn ich in meiner plumpen deutschen Art die Hauptpunkte
> abhandle, ich will Dich nicht bodigen, sondern ein paar Punkte anders
> beleuchten:
ich bin durchaus offen für konstruktive kritik.

> 1) Lehrer müssen Computer beherrschen
diesen abschnitt kann ich soweit akzeptieren (grins).

> 2) Schüler haben zu Hause Windows
> Genau - das ist ja das Problem. Sie lernen nicht den Umgang mit Computern,
> sondern den Umgang mit Windows. Schule soll Bildung vermitteln und nicht
> Microsoft-Software-User abrichten.
richtig. aber ich meine damit, dass nicht nur die lehrer sich an linux gewöhnen 
müssen, sondern auch die schüler. und was nicht zu vergessen ist: auch die 
eltern werden tangiert. schliesslich sollten die schüler gewisse aufgaben auch 
zu hause nachvollziehen können.

> 3) Schüler wollen Spiele installieren
> Nein - in der Schule installieren Schüler gar nichts. Sollen sie es dennoch
> dürfen, kann man ihnen VM's einrichten, in denen sie exakt dürfen was sie wollen
> - die Einrichtung von Software ist aber nicht (und soll nie) Gegenstand des
> normalen Unterrichts werden.
ich meinte auch nicht im unterricht. da ist's klar.
aber auf dem rechner zu hause wird ein schüler auch spielen wollen. somit ist 
linux bis auf weiteres aus dem rennen.

> 4) Eltern haben MS-Office zu Hause
> Anyway - die Schüler sollen etwas lernen, dass ihnen später nützt. Die
> Anwendung von Office-Programmen trägt dazu nicht bei.
da bin ich anderer meinung.
für die meisten arbeitgeber heisst 'computer bedienen können' nach meiner 
erfahrung nicht nur wissen wie einschalten sondern auch grundwissen zu 
textverarbeitung und tabellenkalkulation. ob's jetzt microsoft, wordperfect 
(oder wie die derzeit gerade heissen) oder staroffice ist spielt eine 
untergeordnete rolle. ist auch der grund weshalb staroffice auf dem lehrplan 
steht. 
 
> Es besteht aktuell eine grosse Leere bei den Lehrinhalten.
100% einverstanden

> Das Erlernen von
> Officeprogrammen ist keine sinnvolle Tätigkeit, das kann sich jeder selbst
> beibringen. In Vertiefungskursen könnte man den Schülern anbieten, ihnen die
> hohe Schule beizubringen - aber mal ganz ehrlich: Die Schüler kommen damit
> besser zurande als die Lehrer und das wird immer so bleiben. Ausgebildet werden
> kann, wie ein Dokument aussehen soll, nicht wie man es macht dass es so aussieht
> wie es soll. In letzterem liegt enormes Kreativitäts- und Lernpotential.
jein.
bevor die kreative nutzung beginnen kann, braucht's zuerst mal ein grundwissen 
was überhaubt machbar ist. somit müssen die schüler zuerst einmal grundsätzlich 
den umgang mit der vorhandenen software lernen. bei ms-produkten geschieht das 
auch ausserhalb der schule und vereinfacht somit die arbeit in der schule.

> Ausserdem (Beispiel mein Sohn): Schüler/Menschen die Linux können, kommen
> mit Windows auch zurande, denn sie verstehen wie Computer arbeiten. Mein Sohn
> konfiguriert bei seinen Freunden Windows 95/98/Me/XP obwohl er selbst gar nicht
> damit arbeitet. Aber kommt damit klar, denn er versteht was er tut.
jep.

aber hier stellt sich die frage: woher hat er das grundwissen?

und genau hier liegt das problem des lehrkörpers: windows wissen wird den 
schülern nicht nur in der schule sondern auch zuhause oder bei freunden 
vermittelt. linux wird bis auf weiteres leider weder zuhause noch im 
freundeskreise grosse verbreitung finden. somit muss der lehrer in der lage 
sein die eine oder andere frage mehr oder weniger fundiert zu beantworten. bei 
ms-produkten haben die schüler in der regel weitere quellen. 

bereits die verwendung von staroffice zeigt dieses problem. zuhause 
funktionniert's anders (da ms-word) als in der schule. somit wird der lehrer 
zur anlaufstelle für sämtliche fragen. und deshalb muss sich der lehrer 
tieferes wissen aneignen können. mit ein grund weshalb staroffice eingesetzt 
werden konnte war das vorhandensein einer recht guten und umfangreichen 
dokumentation eines lehrers die im web gefunden wurde. 


> 5) Lehrer können gerademal ihr 20 PC's am Laufen halten
> Genau - mit Linux geht sie das gar nichts mehr an - sie werden nie wieder
> Probleme haben, denn kein Schüler kann die Installation zerschiessen, Software
> installieren oder deinstallieren usw. Die Computer funktionieren einfach so. Die
> Lehrer haben mehr Zeit sich mit den Inhalten zu befassen.
sicher. das ist für mich eines der hauptargumente für linux in der schule.
 
> 6) [Nicht genannt] Die Schüler müssen kooperieren lernen
> Schüler sollen in Gruppen auch ausserhalb der Schule arbeiten. Wie sollen
> sie das machen, wenn sie dafür Software benötigen, die gekauft werden muss - für
> Geld? Sollen die Eltern Software kaufen, damit die Schüler ihre hausaufgaben
> machen können? Das ist doch nicht der Ernst!
nein. sicher nicht.
 
> Freie Software ermöglicht die beliebige Verteilung der erforderlichen
> Software an Schüler und Lehrer. Auf diese Basis kann man aufbauen.
> Projektarbeiten können beliebig vergeben werden, denn wo ein Computer ist, kann
> man auch Freie Software installieren.
JA! mit ein grund damals für staroffice 5.2. wer wollte konnte eine kopie auf 
cd haben. jetzt mit der umstellung auf staroffice 6 wird's etwas schwieriger. 
ist ja nicht mehr gratis. somit in der schule staroffice, zu hause wohl 
openoffice

mich brauchst du nicht von linux zu überzeugen.
einen linux-server zu 'verkaufen' habe ich meist auch keine probleme.
beim desktop gehen mir aber relativ schnell die argumente aus. respektive 
kommen gegenargumente die ich nicht so einfach wiederlegen kann.

tobias