[wilhelmtux-discussion] Schulen ans Netz -- Lehrerzimmer!

Manfred.Morgner at gmx.net Manfred.Morgner at gmx.net
Don Feb 20 20:27:19 CET 2003


Hallo Thomas,

ich glaube, Du siehst das einerseits zu negativ, andererseits zu kritiklos.
Bitte entschuldige, wenn ich in meiner plumpen deutschen Art die Hauptpunkte
abhandle, ich will Dich nicht bodigen, sondern ein paar Punkte anders
beleuchten:

1) Lehrer müssen Computer beherrschen

Natürlich - oder wieso? Also, was versteht man unter beherrschen?
Einschalten, ausschalten, Textverarbeitung starten, Tabellenkalkulation starten,
vielleicht drucken fertig. Mehr kann ich bei den mir bekannten Schulkonzepten nicht
erkennen  - wenn überhaupt soviel herausguckt.

All das geht prima mit: GNOME/KDE, AbiWord/KWord/OO.org,
Gnumeric/KSpread/OO.org, The GIMP

Aus meiner Erfahrung kann ich berichten, dass es keine Schwierigkeiten gibt,
Nutzer auf diese Applikationen umzustellen es sei denn sie sind Poweruser,
was in der Regel nicht der Falls ist. Photoshop-Nutzer haben gelegentlich
Umstellungsschwierigkeiten, die sich aber überwinden lassen. Hier ist auchd ie
Frage nach dem Grad der gewünschten Ausbildung.

2) Schüler haben zu Hause Windows

Genau - das ist ja das Problem. Sie lernen nicht den Umgang mit Computern,
sondern den Umgang mit Windows. Schule soll Bildung vermitteln und nicht
Microsoft-Software-User abrichten.

3) Schüler wollen Spiele installieren

Nein - in der Schule installieren Schüler gar nichts. Sollen sie es dennoch
dürfen, kann man ihnen VM's einrichten, in denen sie exakt dürfen was sie
wollen - die Einrichtung von Software ist aber nicht (und soll nie) Gegenstand
des normalen Unterrichts werden.

4) Eltern haben MS-Office zu Hause

Anyway - die Schüler sollen etwas lernen, dass ihnen später nützt. Die
Anwendung von Office-Programmen trägt dazu nicht bei.

Es besteht aktuell eine grosse Leere bei den Lehrinhalten. Das Erlernen von
Officeprogrammen ist keine sinnvolle Tätigkeit, das kann sich jeder selbst
beibringen. In Vertiefungskursen könnte man den Schülern anbieten, ihnen die
hohe Schule beizubringen - aber mal ganz ehrlich: Die Schüler kommen damit
besser zurande als die Lehrer und das wird immer so bleiben. Ausgebildet werden
kann, wie ein Dokument aussehen soll, nicht wie man es macht dass es so
aussieht wie es soll. In letzterem liegt enormes Kreativitäts- und Lernpotential.

In Seniorenkursen ist das sicherlich anders, aber wir sprechen hier von
Kindern, die Computerbedienung intuitiv erlernen und sich gegenseitig ausbilden.
Das machen sie ungestraft, ungehemmt und schneller als es ihnen irgen ein
Lehrer beibringen kann. (Ich spreche aus vielfacher praktischer Erfahrung)

Ausserdem (Beispiel mein Sohn): Schüler/Menschen die Linux können, kommen
mit Windows auch zurande, denn sie verstehen wie Computer arbeiten. Mein Sohn
konfiguriert bei seinen Freunden Windows 95/98/Me/XP obwohl er selbst gar
nicht damit arbeitet. Aber kommt damit klar, denn er versteht was er tut.

5) Lehrer können gerademal ihr 20 PC's am Laufen halten

Genau - mit Linux geht sie das gar nichts mehr an - sie werden nie wieder
Probleme haben, denn kein Schüler kann die Installation zerschiessen, Software
installieren oder deinstallieren usw. Die Computer funktionieren einfach so.
Die Lehrer haben mehr Zeit sich mit den Inhalten zu befassen.


6) [Nicht genannt] Die Schüler müssen kooperieren lernen

Schüler sollen in Gruppen auch ausserhalb der Schule arbeiten. Wie sollen
sie das machen, wenn sie dafür Software benötigen, die gekauft werden muss -
für Geld? Sollen die Eltern Software kaufen, damit die Schüler ihre
hausaufgaben machen können? Das ist doch nicht der Ernst!

Freie Software ermöglicht die beliebige Verteilung der erforderlichen
Software an Schüler und Lehrer. Auf diese Basis kann man aufbauen. Projektarbeiten
können beliebig vergeben werden, denn wo ein Computer ist, kann man auch
Freie Software installieren.

Es spricht nichts dagegen, Microsoft-Programm _auch_ zu verwenden. Wenn ein
Schüler zu Hause Word hat, kann er es ja einsetzen. Es liegt hier aber
Sprengstoff in der Luft:

Woher hat der Schüler Word? Haben seine Eltern ihm (dem Kind) MS-Office
gekauft? Hat er eine Raubkopie? Wer ist verantwortlich, wenn der Lehrer
Hausaufgaben aufgibt, der Schüler sie mit MS-Office erledigt und die Eltern später vor
dem Richter stehen weil sie MS-Office illegal auf dem PC ihres Kindes
installiert haben? "Mein Kind brauchte doch MS-Word/MS-Powerpoint um seine
Hausaufgaben zu mache!" Wer haftet bei Lizensverstössen? Und: 

"Wussten Sie, dass die MS-Software nicht übertragbar ist? Wussten Sie, dass
das bedeutet, dass ein Vater seiner Tochter zwar den PC, nicht aber die
MS-Software schenken kann? Ist Ihnen klar, dass die MS-Software auf einem
geschenkten oder gekauften gebrauchten PC illegal ist?"


Ich kann Verwaltungen allein aus juristischen Gründen nur allerdringenst
abraten, in der schulische Ausbildung mit Microsoft-Software zu arbeitn. Sie
stehen damit bereits im Gefängnis, und zwar nicht nur mit einem Bein. Die Frage
ist nicht OB es zuschlägt (das Schicksal namens Microsoft) die Frage ist
lediglich WO es zuschlägt. Die öffentlichen Verwaltungen spielen hier eine Art
Russisch Roulett.


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Ich zähle nicht mit, aber ich installiere bei Freunden und Bekannten
grundsätzlich nur noch Linux. Wenn einer meine Unterstützung haben möchte, bekommt
er Linux, wenn er das nicht will, muss er auf meinen Hilfe verzichten. Ich
hage in meiner Freizeit andere Dinge zu erledigen als DirectX zu reparieren.
Bisher hatte ich damit Erfolg und die Anwender sind nach kurzer Zeit im
Allgemeinen zufireden. u.a. meine Schwiegermutter (über 70) ein Schulfreund meines
Sohnes (13) meine Frau (so alt wie ich). Meine Schwiegermutter hat überhaupt
kein Problem mit Linux, sie kennt Windows nicht - sie arbeitet nach ein paar
Einweisungen "einfach so" mit Linux. Der Schulfreund meines Sohnes hat
Gewöhnungsprobleme (er kennt Windows als Anwender) aber er findet Linux lohnenswert
weil es soviel Software gibt, die nichts kostet und mit der man prima Sachen
machen kann. Meine Frau hat kaum Schwierigkeiten (sie hat die letzten 7 Jahre
mit Windows gearbeitet), sie ist eine typische Office-Anwenderin, die
Computer nur benutzt wenn sie sie braucht. Dass bei KWord die Menüpunkte teils
anders heissen, oder andere Kleinigkeiten, ist ihr im Grunde egal. Sie freut sich,
dass es bei Problemen mit einem Programm immernoch andere Programme gibt,
mit denen sie ihre Aufgaben erledigen kann. Solitär funktioniert auf Linux
genau so gut wie auf Windows.



THEMA: Schulung der Lehrer

Es sollte möglich sein, ausreichend begabte Evangelisten zu finden, die die
Übergangsschulungen halten und Fragen beantworten können. Schulen können ihre
die Lehrräume normaler Weise kostenlos nutzen, ein kleiner Obolus für
den/die Schulungsleiter ist angenehm, muss aber vielleicht nicht unbedingt sein.

Schulungsmaterial für Lehrer sollte erzeugbar sein, man kann es unter
GNU-FDL publizieren und im WEB verbreiten.



Bitte nicht persönlich nehmen - es ist auch nicht persönlich gemeint.

Viele Grüsse und Freiwillige vortreten,
Manfred.


> > Ich habe vor kurzem mal im 20 Minuten gelesen, dass die Computer einer
> > Schule aus dem Jahre 1995 ersetzt werden durch neue, weil die alten
> > nicht "Internet tauglich" seien.  Solche PCs mit Linux zu bestücken
> > hätte doch einen tollen Effekt...
> > Jetzt brauchen wir nur noch Kontaktpersonen.
> 
> mit dem ausrüsten der rechner ist es leider nicht getan. es gäbe zwar
> einen 
> tollen effekt, aber nicht im positiven sinne!
> 
> aus eigener erfahrung als externer betreuer an der bezirks-schule hier in 
> nunningen kann ich folgende punkte aufführen:
> 
> den server durfte ich vor knapp 3 jahren installieren damit alle rechner
> ins 

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