[wilhelmtux-announce] News von Wilhelm Tux: Es tut sich was in Bern...

Theo Schmidt theo.schmidt at wilhelmtux.ch
Don Mai 7 08:47:36 CEST 2009


Liebe Wilhelmtux-Anounce Abonnierte,

Es tut sich was in Bern:

Wie Infoweek.ch vom 4. Mai schreibt, haben sechs Schweizer Nationalräte die 
"Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit" gegründet. Sie wollen den 
vermehrten Einsatz von Freier Open-Source-Software sowie offene Standards 
fördern, also genau was wir seit Jahren fordern.

Infoweek schreibt weiter:
Jedoch setzt die Bundesverwaltung trotz verschiedener politischer Vorstösse noch 
immer vorwiegend auf proprietäre Software. Dies, obwohl es eigentlich eine "Open 
Source Strategie Bund" sowie eine "E-Governemnt Strategie" gäbe, die den 
Gebrauch von Open-Source-Software vorgeben.

Die "Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit" setzt sich aus folgenden 
Nationalräten zusammen: Walter Donzé (EVP,BE), Edith Graf-Litscher (SP, TG), 
Kathy Riklin (CVP, ZH), Alec von Graffenried (Grüne, BE), Christian Wasserfallen 
(FDP, BE), und Thomas Weibel (GLP, ZH). Nebst Open-Source-Software und offenen 
Standards will sich die Gruppe auch für Open Content und Open Access stark 
machen. In den nächsten Wochen sollen verschiedene Vorstösse erarbeitet werden. 
Diese werden dann in der Sommersession des Parlaments eingereicht.

Hier der Blog dazu von Matthias Stürmer von http://www.ch-open.ch, der 
massgeblich bei der Geburt der Gruppe half:
http://www.stuermer.ch/blog/swiss-parliamentarians-found-group-for-digital-sustainability.html

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Gerade einen Tag später und nochmals heute enthüllt die NZZ einen Knaller: Trotz 
"Open-Source-Strategie schmuggelte die Bundesverwaltung ein 42 Millionen 
"Upgrade" bei Microsoft-Produkten sowohl am ordentlichen Submissionsverfahren 
als auch an der Politik und der öffentlichen Meinung vorbei. Eine Gruppe von 
bisher 15 Firmen erwägt eine juristische Klage:

http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/fragwuerdige_auftragsvergabe_des_bundes_an_microsoft_1.2502044.html
http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/risiken_der_microsoft-strategie_abklaeren_1.2507074.html

Inside-IT.ch fasst es prägnant zusammen und liefert in verlinkten Artikeln auch 
den Hintergrund, wie Bundespräsident Merz am diesjährigen WEF gleich als erstes 
ein Treffen mit Microsoft Gründer Bill Gates hatte, was ein Indiz für das aus 
unserer Sicht völlig unnötige Geschäft sein könnte:

http://www.inside-it.ch/frontend/insideit;jsessionid=FF0487F914163F6A6CBEF408B03B4C16?_d=_article&site=ii&news.id=17672

Wir meinen: der Bund verschleudert Steuergelder für eine unnötige Migration von 
WindowsXP auf Vista und auf Microsoft Office 2007. Wenn schon Migration, dann 
auf Linux, Open Office und weitere Freie Open Source Software. Das kostet zwar 
auch, aber dann könnte endlich die Abhängigkeit zu einzelnen IT-Firmen gelockert 
werden, und etwas mehr davon ginge an lokale KMUs statt an die reichsten 
Aktionäre der Erde. Auch bedingt Vista eine grosse Aufrüstung bei der Hardware 
und auch mehr Stromverbrauch mit sich. Das ist bei anderen Betriebssystemen zwar 
auch der Fall, aber diese arbeiten effizienter.

Mit diesem Geschäft zementiert die Regierung insbesondere ihre ständig wachsende 
Abhängigkeit von Microsoft. Wilhelm Tux Gründungsmitglied Michael Jäger 
kommentiert auf seinem Blog:

Dass der Bund es nicht einmal für nötig befunden hat, die Lizenzverlängerung als 
ordentliches Ausschreibungsverfahren (inkl. Evaluation) zu gestalten, zeigt er, 
wie abhängig er heute bereits ist. Und da machen sich doch tatsächlich noch 
Bürger Gedanken, weil der Staat biometrische Daten speichern will. Wollen wir 
hoffen, dass es keine Access-Datenbank wird.

http://www.michael-jaeger.ch/index.php?TPL=113&x270_id=215&listsearch=1

Hier der Beitrag vom Schweizer Fernsehen. 10vor10 zeigt auch Matthias Stürmer 
von /ch/open und Peter Fischer, der Delegierte für die IT-Strategie des Bundes:

http://www.sf.tv/videoplayer/embed/0201c627-eb25-49e7-89ee-26edd0e5caba

Der Vollständigkeit halber hier noch die Publikation des Bundes, welche erst 
einen Monat nach dem Abschluss des Verfahrens publiziert wurde:

https://www.shab.ch/DOWNLOADPART/N4608114/N2009.00367121.pdf

Wir meinen: so nicht! Schreiben Sie Leserbriefe! Oder schreiben Sie mir, wenn 
Sie Wilhelm Tux beitreten möchten, aber auch wenn Sie nicht einverstanden sind 
oder diese Mitteilungen abbestellen wollen.

Beste Grüsse,
Theo Schmidt, Präsident Wilhelm Tux