[linuxola] Info zu OLPC
Theo Schmidt
theo.schmidt at wilhelmtux.ch
Son Jul 8 08:30:38 CEST 2007
Letzte Woche gab Dr. Bert Freudenberg eine Präsentation in Bern mit dem
Titel "One Etoy Per Child on the $100 Laptop"
Amadeus und ich haben zugehört. Zuerst folgte eine allgemeine
Beschreibung des "One Laptop per Child" Projekts, dann erleuterte Bert
Freudenberg sein Arbeitsgebiet, die Software Etoys. 2 Geräte waren da
zum anfassen.
Die Spezifikationen des Gerätes sind eindrücklich und sehr
fortschrittlich. Es ist jedoch wirklich auf Kinder zugeschnitten;
Erwachense haben Mühe mit der kleinen Tastatur und dem kleinen Bildschirm.
Der Bildschirm ist mit 1200x900 Pixel bei einer Grösse von ca. 15cm x
11.25cm extrem scharf. Er arbeitet wahlweise oder gleichzeitig reflektiv
und/oder beleuchtet. Reflektiv ist er gerade in der Sonne besonders gut
lesbar, ist schwarz/weiss und besonders scharf, beleuchtet hingegen farbig.
Das Gerät braucht offenbar nur 3 Watt bei voller Belastung und
beleuchtetem Bildschirm, ohne Beleuchtung und bei ruhendem Desktop
weniger, vielleicht 1 W. Dies wird erreicht, indem die CPU nach 0.1
Sekunden in den Standby-Modus geht, also auch zwischen
Tastatur-Anschläge, wobei der Bildschirm sichtbar bleibt.
Es gibt als Zubehör einen Stromgenerator, der wie ein Yo-yo aussieht:
man zieht an einer Schnur. Es ist selbstregulierend; man kann mit viel
oder mit wenig Kraft ziehen. Es war allerdings kein Exemplar da. Die
Batterie ist Nickel-Metallhydrid. Li-Ion kommt schon wegen der
Brandgefahr nicht in Frage.
Die Geräte sind mit WLAN vernetzt, und zwar in einem Schwarm-Modus, wo
jedes Gerät im Schwarm noch graphisch und kindgerecht dargestellt wird.
Die Reichweite soll auf freiem Feld bis 2km reichen, so dass mit wenigen
Geräten ein ganzes Dorf vernetzt werden kann. Das WLAN kann auch bei
abgeschaltetem PC arbeiten und braucht dann offenbar nur 0.1W.
Das Ding hat auch Kamera, Lautsprecher und Mikrophon.
Die Software besteht aus einem aktuellen 2.6er Linux-Kernel, einer
speziellen graphischen Oberfläche, und diversen Standard-Programmen, die
auf Abiword, Firefox, und Evince (für PDF) basieren. Die Programme
laufen durchwegs mit Python, d.h. der Sourcecode ist ohne Binärcode
vorhanden und kann leicht abgeändert werden und abgeändert sofort
verwendet werden, ohne ihn kompilieren zu müssen.
Alles läuft in virtuellen Umgebungen, damit sich keine Viren verbreiten
können.
Dann hat es Spezialprogramme, u.a. Etoys, eine kindgerechte Umsetzung
von Squeak!, der graphischen Programmierumgebung, die auf der
Programmiersprache Smalltalk basiert. Damit können grapahische,
Multimedia- oder Text-Objekte leicht kreiert und manipuliert, z.B.
animiert werden.
Darauf angesprochen, wie er das OLPC Projekt in Zusammenhang von
stationären Schulanlagen wie unsere LTSP-Projekte sieht, meinte
Freudenberg, er sehe es eher als Ergänzung denn als Konkurrenz.
Trotzdem, eine Art Konkurrenz ist es natürlich schon, und die Frage
stellt sich, ob wir auf unseren Servern nicht auch die Spezialprogramme
des Projekts - v.a. Etoys - installieren sollen, oder nicht.
Viele Grüsse, Theo Schmidt