[linuxola] Artikel in der NZZ "Mit Ubuntu nach Kamerun"
Theo Schmidt
theo.schmidt at wilhelmtux.ch
Mon Jul 31 18:22:07 CEST 2006
Im Artikel der NZZ "Mit Ubuntu nach Kamerun"
http://www.nzz.ch/2006/07/21/em/articleEATMO.html
beschreibt Bernd Reichert seine Erfahrungen als freiwilligen
PC-Supporter in Kamerun. Er schreibt (auszugsweise):
"Ubuntu ist eine Linux-Distribution, die vom südafrikanischen
Internet-Milliardär Mark Shuttleworth für Afrika finanziert wird. Sie
gewinnt rasch Anhänger - nur nicht in Afrika, wo sich der Schulung im
Umgang mit neuen Technologien viele Hürden stellen.
"Sich als freiwilliger Helfer für die UAC-Schule
<www.unitedactionforchildren.org> in Buea in Kamerun zu melden, ist eine
besondere Art, Afrika kennen zu lernen. UAC ist eine Primarschule mit
Kindergarten und angeschlossener Computerschule für Jugendliche und
Erwachsene. Für die Kosten der Reise und einen Beitrag an Kost und Logis
bekommt der «Helfer» tiefe Einblicke in die afrikanische Mentalität und
auch im vorliegenden Fall in das afrikanische Verständnis für Computer.
"Die Stadt Buea liegt im englischsprachigen Teil Kameruns am Hang des
4200 Meter hohen Vulkans Mount Cameroon auf 1000 bis 1500 Meter Höhe...
"An der UAC-Schule in Buea ist das Betriebssystem Linux kaum, die
Linux-Distribution Ubuntu überhaupt nicht bekannt. Es stehen dort rund
15 etwa 5 Jahre alte und vernetzte PC - ein Geschenk aus
Grossbritannien. Die Rechner laufen, wie sie vermutlich aus England
geliefert wurden, mit Software von Microsoft. Dass die Computerschulung
mit Software erfolgt, die sich kaum einer der Schüler jemals legal
leisten kann, stört hier niemanden. Software scheint in Afrika kaum
jemand für viel mehr als den Preis einer kopierten CD zu erwerben.
"Dass Ubuntu nichts kostet und man die offizielle Ubuntu-CD gratis
bestellen kann, finden die Verantwortlichen der Computerschule aber
trotzdem sehr ungewöhnlich, ja geradezu verdächtig...
"Tintenstrahldrucker für die Wüste?
...
"Geboten werden nämlich Schreibmaschinenkurse, die Schulung in der
Benutzung von Microsoft Word, Excel, Powerpoint und der Verwendung des
Internets. Meistens sieht man aber junge Mädchen mit Powerpoint
Hochzeitskärtchen zeichnen. Ausdrucken können sie diese aber leider
nicht. Und wenn es Drucker gäbe, fehlte es an Papier, und die
Tintenpatronen wären leer oder ausgetrocknet. Obwohl Tintenstrahldrucker
für Afrika aus verschiedenen Gründen ungeeignet sind, werden weiterhin
ausrangierte Geräte aus der ersten Welt nach Afrika geschickt.
...
"Happy End für Ubuntu
Fasziniert sind die UAC-Mitarbeiter von Daniel, einem jungen Webdesigner
aus New York, der vier Monate als freiwilliger Helfer an der
Computerschule in Buea verbringt und ihnen zeigt, wie man mit Adobe
Photoshop Computerbilder verändern kann. Das späte Happy End für Ubuntu
kommt erst, als sie feststellen, dass sie Adobe Photoshop nicht ohne
weiteres überall installieren können und Ubuntu eine Software namens
Gimp mitbringt, welche nach ihrer Ansicht mit Photoshop mithalten kann.
Ob die beiden mit Ubuntu installierten Systeme noch laufen, lässt sich
aus der Schweiz nicht überprüfen. Dort gewinnt der Autor die
Überzeugung, dass in Afrika andere Dinge wichtiger sind als die edlen
Grundsätze quelloffener Software und die Afrikaner vor allem im Hier und
Jetzt leben. Nach einer neuen Software wird wohl erst gesucht, wenn die
alte wirklich nicht mehr funktioniert. Demzufolge wird
Open-Source-Software wie Ubuntu in Afrika erst eine Chance haben, wenn
man kommerzielle Programme nicht mehr kopieren kann."