[linuxola] Fwd: EInstellung VUM -Hintergünde und Ausblicke

Amadeus Wittwer amadeus at solnet.ch
Fre Mai 26 20:52:30 CEST 2006


...und noch eins (also das ist nun Nummer 3, ev. noch die beiden anderen
voher lesen!)...

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Subject: EInstellung VUM - Hintergünde und Ausblicke
Date: Freitag 26 Mai 2006 10:30
From: Ingo Lantschner <ingo at binonabiso.com>
To: info at vum.at

Hallo,
nachdem mich täglich mehrere EMails erreichen mit der Bitte die
Hintergründe für die Auflösung von VUM zu erklären, hier ein paar
Zeilen, die das hoffentlich verständlich beschreiben; am Ende fasse ich 
kurz die Ausblicke zusammen:

Fast jede Berichterstattung über VUM enthielt diesen Absatz:
    "Der Verein, der ausschliesslich aus ehrenamtlichen Mitarbeitern
    besteht, hat es sich zum Ziel gemacht, die Vernetzung und den
    Austausch von zwischenmenschlichen und kulturellen Ideen zwischen
    Afrika und Europa zu verbessern. Hierfür sammeln und adaptieren wir
    gebrauchte, aber brauchbare Computer, transportieren diese nach
    Afrika und schulen die Menschen vor Ort im Umgang mit den Rechnern
    und dem Internet."
Genau dieser Satz findet sich auch auf der Startseite unserer Homepage,
womit wir in Sachen Eigen-/Fremdwahrnehmung eine erstaunliche
Übereinstimmung erzielt haben. Doch das Hunderl liegt im Detail ...

1. Offensichtlich genügen die beiden Worte "ehrenamtlich" und "Afrika"
um als "NGO" und EZA-Organisation klassifiziert zu werden. Während NGO
im engeren Wortsinn noch ok ist, wollten wir mit EZA nichts zu tun
haben. Dass es dann doch passiert ist, ist nachträglich betrachtet gut
gewesen. Denn nachdem wir uns solcherart davon überzeugt hatten, dass
wir mit dem Konzept EZA die falschen Leute anziehen und jene, die noch
nicht korumpiert sind in Richtung Koruption und Abhängigkeit drängen
haben wir uns entschlossen mit Bino na Biso einen Gegenvorschlag zu
päsentieren und umzusetzen. Bino na Biso haben wir von Anfang an als
gewinnorientierte, interkulturelle Dotcom mit Anspruch auf Fairness und
Nachhaltigkeit ("humanistische Kooperative") positioniert. Das hat sich
zunächst einmal bewährt. Die zuvor euphemistische als "Partner"
umschriebenen "Nehmer" waren damit Mitarbeiter, Eigententümer und Kunden
mit denen Verträge, Preise, Löhne und Inhalte auszuhandeln waren.
Das ergab einen schönen Rahmen für die heiss begehrte Begegnung auf
selber Augenhöhe.
Wie das halt so ist, wenn man Neuland betritt, um alte Fehler hinter
sich zu lassen: Man macht neue Erfahrungen und vieles von dem erweisst
sich im nachhinein wiederum als suboptimal. Es gibt also genug, was es
an Bino na Biso zu verbessern gäbe, doch dazu erst in einem eigenen 
Bericht, für den es zur Zeit noch zu früh wäre. Auf der Haben-Seite von 
BnB steht aber eindeutig das gemeinsam erarbeitete Geschäfstsmodell, 
dass sich nicht nur schön liest, sondern für alle die daran 
mitgearbeitet haben eine starke Motivation darstellt. 
(http://www.binonabiso.com/de/org.html)

2. Das Konzept gebrauchte HW gen Süden zu transportieren hatte zu jedem
Zeitpunkt einen Haken: Die Ökobilanz (vor allem der Energieaufwand) ist
grauslig. Als Humanisten stellten wir nun nicht die Natur über alles und
so war es in den 90ern durchaus legitim, dies in Kauf zu nehmen, denn
der Nutzen des Projektes für die Menschen überwiegte bei weitem die
ökologischen Bedenken.
Dies gilt heute nicht mehr: Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich
die Welt in den paar Jahren weiter gedreht hat. Vor allem Asien, und
hier allen voran China nimmt den afrikanischen Markt ernst und bedient
ihn mit leistbaren und leistungsfähigen Produkten. Insofern können wir
nun getrost aufhören, den schwarzen Kontinent mit Almosen vollzumüllen -
man kann vielerorts neue Computer zu einem Preis erwerben, der einen
Transport alter HW unwirtschaftlich macht. Ich denke das ist gut so.

Zur Frage "macht's ihr weiter und wenn ja wie": Also ich für meinen Teil
mache sicherlich in der einen oder anderen Form weiter. Und von dem
einen oder der anderen Mitstreiterin kommen ähnliche Signale - hätte
mich auch gewundert wenn nicht :-) Nur brauchen wir dazu den VUM nicht
mehr. Für ICT-Projekte im afrikanischen Raum haben wir mit Bino na Biso
ein fortschriittlicheres Modell; und wenn wir den o.g. Punkt 2.) noch
berücksichtigen, wäre anzudenken, die Idee des funktionalen Recyclings
von HW beizubehalten, aber auf die Transporte gen Süden zu verzichten.
Dann könnten wir z.B. eine Kooperative hier vor Ort bauen, und mittels
"freier Software" hochinteressante Bildungs- und Recyclingprojekte
starten. Cool oder?

Alsdenn, ist ganz schön lange geworden, aber ihr wolltet es ja wissen  -
danke für euer Interesse und lieben Gruss, Ingo.

P.S:
Übrigends: In der CH hat sich eine Organisation gebildet, die ähnlich 
wie VUM vorgeht, und wer weiss, was daraus noch alles wird ... dort kann 
man sich also auch hinwenden: http://www.linuxola.org/

-- 
Ingo Lantschner
T (+43-1) 59 55 766
M (+43-664) 143 84 18


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Amadeus Wittwer
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3147 Mittelhäusern